Global denken - lokal handeln

Gerstenanbau

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Internationale Konzerne kaufen ihre Braugerste am Weltmarkt, auf dem Angebot und Nachfrage den Preis der Braugerste bestimmen. Stiegl-Eigentümer Heinrich Dieter Kiener bezieht die Braugerste aus Überzeugung direkt bei den Bauern der Erzeugergemeinschaft Zistersdorf (EGZ) im niederösterreichischen Weinviertel.

Stiegl setzt auf Gerste aus Österreich

Dazu unterzeichnete Stiegl-Chef gemeinsam mit Braumeister Christian Pöpperl einen Vertrag mit den EGZ-Bauern. Die Vereinbarung zwischen Stiegl und der EGZ beinhaltet eine garantierte jährliche Abnahmemenge an Braugerste.

Die Preise für viele Getreidekulturen werden jedes Jahr im September an der Börse für landwirtschaftliche Produkte in Wien festgesetzt. „Das ‚Preis-Dumping’ am Gerstenmarkt führt bei vielen Bauern dazu, dass sie den Gerstenanbau einstellen und auf lukrativeren Mais als Futtermittel oder Raps für Biosprit umsteigen“, erklärt Franz Bauer, Geschäftsführender Gesellschafter der EGZ. 

Die Auswertung der Agrar Markt Austria (AMA) zeigt, dass die Anbaufläche für Sommerbraugerste in Österreich von > 100.000 Hektar im Jahr 2008 auf ca. 63.000 Hektar im Jahr 2013 zurückgegangen ist.

Für Stiegl-Braumeister Christian Pöpperl hätte das Fortschreiten dieser Entwicklung verheerende Folgen: „Das Schlimmste wäre, wenn die Bauern den Anbau von Lebensmitteln einstellen und landwirtschaftliche Produkte importiert werden müssten.“ 

Mitarbeiter beim Geruchstest der Gerste.

„Gersten-Pass“ für Nachvollziehbarkeit

Die Erzeugergemeinschaft Zistersdorf ist eine 1988 gegründete Non-Profit-Gemeinschaft im Weinviertel. Die rund 300 Bauern, deren Gemeinschaft auch ISOzertifiziert ist, haben ein besonderes Faible für umweltbewussten, naturnahen Ackerbau im pannonischen Klimagebiet. Die Bauern wollen vor allem den Wert der Braugerste - die übrigens als „Kulturgut“ der Region gilt - wieder steigern. Besonders wichtig ist den EGZ-Bauern die Nachvollziehbarkeit durch Kennzeichnung „vom Halm in die Flasche“, so Bauer.

„Samtig weich auf der Zunge und harmonisch im Ausklang hinterlässt das Wildshuter Sortenspiel einen bleibenden Eindruck.“

— Stiegl-Gut Wildshut

Laut einer Studie des market-Instituts erwarten sich "Herr und Frau Österreicher" von regionalen Lebensmitteln vor allem faire Preise für die Landwirte. Neben Qualität und Frische spielen auch die Produktionsbedingungen, die Weiterverarbeitung und die Fertigstellung eine wichtige Rolle. Ganz konkret wird mehr Engagement bei der artgerechten Tierhaltung und der Schaffung bzw. Erhaltung von Arbeitsplätzen in der Region gefordert.

Mehr Einsatz ist auch gewünscht, wenn es um eine naturnahe Produktion (82%), Gentechnikfreiheit (79%), kurze Transportwege (87%), Müllvermeidung/Recycling (85%) sowie den Einsatz erneuerbarer Energien (69%) geht. „Das alles sind Punkte, die bei uns schon seit Jahren gelebt werden“, so Braumeister Pöpperl.

Stieglbrauerei Aussenansicht mit Bahntransport.

Kurze Wege

Das Bekenntnis, auf österreichische Zutaten zu setzen, bringt neben der Sicherung der heimischen Landwirtschaft und ausgezeichneter Qualität noch einen weiteren wichtigen Aspekt mit sich, nämlich kurze Transportwege. So wird die Gerste nach der Ernte durch die EGZ-Bauern zum Vermälzen in die nur wenige Kilometer entfernte Stadlauer Malzfabrik (STAMAG) gebracht. Die STAMAG verlädt dann das Gerstenmalz auf Waggons, welche direkt in die Brauerei fahren. Somit erfolgt die Lieferung nach Salzburg zu 100 Prozent auf der Schiene.

Stiegl-Chef Heinrich Dieter Kiener ergänzt: „Wir lehnen es ab, dass mit Lebensmitteln spekuliert wird. Bei uns wissen die Bauern, was sie wann wofür bekommen. Wir wollen einen Beitrag leisten, dass für die Bauern ein ,gesundes Leben’ und nicht nur ein ‚Überleben’ möglich ist.“