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Sebastian Frauenhuber
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Sebastian Frauenhuber2026-07-20 08:37:492026-07-20 08:37:58Neuer Jedermann-Sommer, neue Buhlschaft: Die Premierenfeier, rauschend wie immer!Interview Braumeister Pöpperl
„Nachhaltigkeit ist kein Projekt, das irgendwann fertig ist“
Christian Pöpperl ist Chefbraumeister der Stieglbrauerei, die seit vielen Generationen ein Familienunternehmen ist. Für „Zum Wohl“ hat er mit uns über Kreislaufwirtschaft, regionale Rohstoffe und warum es künftig wichtiger denn je sein wird, sorgsam mit den Ressourcen umzugehen, gesprochen.
Seit mehr als 30 Jahren veröffentlicht Stiegl freiwillig Jahr für Jahr einen Nachhaltigkeitsbericht. Diese Zahlen, Daten und Fakten wird die Stieglbrauerei auch weiterhin sorgsam monitoren, sammeln und veröffentlichen. Allerdings gibt es nun zusätzlich auch den Nachhaltigkeitsblog „Zum Wohl – für uns alle“. Warum dieser Schritt logisch ist, weshalb Nachhaltigkeit beim Bierbrauen weit mehr ist als CO₂-Bilanzen und warum die Zukunft der Brauwirtschaft in Kreisläufen liegt, verrät Stiegl-Chefbraumeister Christian Pöpperl im Gespräch.
Herr Pöpperl, warum startet Stiegl mit „Zum Wohl – für uns alle“ einen Nachhaltigkeitsblog?
Weil Nachhaltigkeit nichts Statisches ist. Da passiert laufend etwas. Ein gedruckter Bericht bildet immer nur einen Zeitpunkt ab. Mit dem Blog können wir aktueller sein und laufend erzählen, woran wir gerade arbeiten, welche Ideen wir ausprobieren und welche Fortschritte wir machen. Mir ist wichtig, dass Nachhaltigkeit nicht irgendwo in einer Schublade verschwindet. Sie gehört mitten ins tägliche Tun. Und genau das wollen wir mit dem Blog zeigen. Offen, transparent und verständlich.
Bedeutet das, dass Nachhaltigkeit bei Stiegl ein neues Thema ist?
Oh nein, ganz im Gegenteil. Viele der Ideen und Maßnahmen, über die wir heute sprechen, haben bei Stiegl eine lange Tradition. Wenn man über 530 Jahre Bier braut, denkt man automatisch nicht in Quartalen, sondern in Generationen. Außerdem sind wir als Brauerei auf die Natur angewiesen. Es ist ganz einfach: Ohne gutes Wasser, gesunde Böden und hochwertige Rohstoffe gibt es kein gutes Bier. Deshalb war für uns immer klar: Wenn wir wollen, dass auch die nächsten Generationen noch gutes Bier brauen können, müssen wir sorgsam mit unseren Ressourcen umgehen. Das war bei Stiegl nie eine Modeerscheinung – das gehört einfach dazu.
Der Blog trägt den Titel „Zum Wohl – für uns alle“. Was steckt dahinter?
Bier bringt Menschen zusammen und steht für Lebensfreude. Gleichzeitig tragen wir Verantwortung – für die Umwelt, für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, für unsere Partner und natürlich für die Regionen, in denen wir tätig sind. „Zum Wohl“ ist für uns deshalb mehr als nur einen Trinkspruch. Es geht darum, dass Genuss und Verantwortung zusammengehören. Und dass wir auf vielen Ebenen versuchen, einen positiven Beitrag zu leisten.
Sie sprechen oft von Kreislaufwirtschaft. Was bedeutet das ganz konkret?
Eigentlich ist die Grundidee ganz einfach: Rohstoffe sind endlich. Deshalb bleibt uns gar nichts anderes übrig, als in Kreisläufen zu denken. Früher hat man vieles linear betrachtet: zuerst verwenden, dann entsorgen. Aber das funktioniert auf Dauer nicht mehr. Darum ist es unser Ziel, Materialien möglichst lange im Kreislauf zu halten und Ressourcen sparsam einzusetzen. Dafür gibt´s bei uns viele Beispiele. Unsere Bierkisten bestehen heute zum größten Teil aus recyceltem Material. Durch den Austausch alter Kisten konnten wir bereits mehr als 1.400 Tonnen Kunststoff einsparen. Oder nehmen wir unsere neue 0,33-Liter-Poolflasche. Sie ist leichter, robuster und kann bis zu 40-mal wieder befüllt werden. Für mich ist das ganz klar das Gebinde der Zukunft. Und auch unsere Aluminium-Dosen werden in einem geschlossenen Kreislauf recycelt, aus alten werden neue Dosen.
Wo beginnt Nachhaltigkeit für Sie als Braumeister?
Das beginnt schon im Boden. Gesunde Böden sind die Grundlage für hochwertige Rohstoffe. Deshalb beschäftigen wir uns intensiv mit der Frage, wie wir Landwirtschaft langfristig widerstandsfähig machen können. Das Stiegl-Gut Wildshut ist dabei ein wichtiger Impulsgeber. Dort wird in Kreisläufen gearbeitet, alte Getreidesorten werden kultiviert und vieles wieder neu gedacht. Unser Ziel ist, möglichst regionale Rohstoffe einzusetzen, da es keinen Sinn macht, diese quer durch die Welt zu transportieren – nicht nur aus ökologischer, sondern auch aus wirtschaftlicher Sicht.
Auch im Brauprozess selbst gibt es viele Stellschrauben?
Natürlich. Bierbrauen braucht Energie. Deshalb schauen wir uns laufend an, wo wir noch effizienter werden können. Ein großer Hebel ist unser Sudhaus. Trotz modernster Energierückgewinnung wird etwa ein Drittel der Wärmeenergie für Sudprozesse benötigt. Wir optimieren laufend energieintensive Prozesse wie z.B. die Kälteerzeugung und sparen dadurch wertvollen Strom ein. Mit unserem Kleinwasserkraftwerk und den PV-Anlagen am Dach des Brauereigeländes erzeugen wir etwa 10 % des gesamten Strombedarfs selbst. Im Bereich der Flaschenhalle setzen wir auf effiziente Motoren und haben kürzlich unsere Flaschenreinigungsmaschine erneuert und effizienter gemacht.
Was passiert mit den Reststoffen, die beim Bierbrauen entstehen?
Auch da versuchen wir, möglichst wenig zu verschwenden. Beim Brauen fallen jedes Jahr rund 19.000 Tonnen Biertreber an. Diese werden als Futtermittel in der Landwirtschaft genutzt. Damit kann wertvolles Eiweißfutter wie Soja, welches weite Strecken zurücklegt, ersetzt werden. Es ist ein schönes Beispiel wie Kreislaufwirtschaft funktionieren kann.
Wo liegen aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen der Zukunft?
Der Klimawandel wird uns sicher weiterhin beschäftigen. Das merken wir schon heute. Wir arbeiten mit Naturprodukten. Gerstensorten werden mit Hilfe von Züchtungen resilienter gemacht, die Aussaat im Winter hilft uns gegen die Trockenheit. Gleichzeitig erwartet der Konsument zu Recht, dass sein Stiegl-Bier immer gleich gut schmeckt. Das ist die große Herausforderung der Braukunst: mit sich verändernden Rohstoffen ein konstant hochwertiges Produkt zu erzeugen. Da braucht es Erfahrung, Wissen und Fingerspitzengefühl. Dazu kommen Energiefragen, Rohstoffverfügbarkeit sowie die Frage, wie wir die nötigen Ressourcen möglichst effizient einsetzen können. Das alles wird künftig noch wichtiger werden.
Wo sehen Sie Stiegl in zehn oder zwanzig Jahren?
Ich bin davon überzeugt, dass wir mit der Marke Stiegl und unseren Produkten auch in Zukunft für Qualität, Regionalität und verantwortungsvolles Wirtschaften stehen. Und ich bin sicher, dass Kreislaufwirtschaft in Zukunft nicht mehr etwas Besonderes sein wird, sondern selbstverständlich. Die Linearwirtschaft ist ein Auslaufmodell. Wir werden weiter versuchen, mit möglichst wenig Energie und Ressourceneinsatz auszukommen. Dazu gibt es jetzt schon viele Konzepte. Fertig ist man ohnehin nie. Es gibt immer etwas, was man verbessern kann.
Zum Abschluss: Was bedeutet Nachhaltigkeit ganz persönlich für Sie?
Für mich bedeutet Nachhaltigkeit, Verantwortung zu übernehmen. Nicht perfekt zu sein, sondern bewusst zu handeln. Ich versuche auch privat, regionale und BIO-Produkte zu kaufen, wenig Fleisch zu essen, Müll zu trennen und Wertstoffkreisläufe zu unterstützen. Ich denke, es geht darum viele kleine Schritte zu setzen. Denn am Ende sind es oft nicht die großen Schlagzeilen, sondern die vielen täglichen Entscheidungen, die den Unterschied machen.
Und genau darum geht´s im Blog „Zum Wohl – für uns alle“!
Chefbraumeister Christian Pöpperl im Getreidefeld. Foto: Franz Neumayr / Abdruck honorarfrei!












